Reportagen

“Starker Stoff für bunte Bilder“ im Museum August Kestner in Hannover

In der neuen Ausstellung im MAK werden Textile Schätze aus dem spätantik-koptischen und frühislamischen Ägypten gezeigt.

Als Quilterin war ich sehr gespannt auf die neue Ausstellung. Besonders interessant ist für mich, wie die fragilen Stoffe vor Licht und Staub während der Ausstellung geschützt werden. Die schönen, farbigen Stofffragmente werden in einem abgedunkelten Raum in speziellen Vitrinen ausgestellt. Zur besseren und genaueren Betrachtung können die Besucher und Besucherinnen spezielle Taschenlampen nutzen. Besonders faszinierend finde ich die Farbigkeit und Kunstfertigkeit der textilen Exponate. Das Highlight der Ausstellung ist die fast komplette Tunika eines ca. siebenjährigen Kindes, die vor kurzem aufwendig restauriert wurde und erstmals seit über hundert Jahren in Hannover gezeigt wird.

Als Quilterin ist für mich natürlich die besondere Mitmachaktion interessant. Alle Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, aus kleinen Stoffstücken Quilts mit zu gestalten, die für einen guten Zweck versteigert werden.

Begleitet wird die Ausstellung von einer Fotoausstellung über das heutige koptische Leben in Ägypten.

Pressemitteilung des Museums

Sonderausstellung im Museum August Kestner
Starker Stoff für bunte Bilder: Textile Schätze aus Ägypten in Hannover
29. Februar 2024 – 11. August 2024
Eröffnung: Mittwoch, 28. Februar 2024, 18:00 Uhr

Ein besonderer Schatz der Ägyptischen Sammlung im Museum August Kestner sind antike Textilien. Das älteste Stück ist über 5.000 Jahre alt und wurde so gut erhalten, dass es ausschaut wie frisch gewebt! Ferner sind Textilien von bekannten Pharaonenmumien in Hannover. Neben diesen 33 Objekten aus der ägyptischen Früh- bis ptolemäischen Zeit macht das Gros der Sammlung über 400 Elemente von Bekleidung und häuslichen Textilien der spätantik-koptischen und frühislamischen Epoche (3. bis 15. Jh. n. Chr.) aus. Dieser beachtliche Bestand wurde in den letzten Jahren von der Archäologin Jennifer Moldenhauer erforscht – mit erstaunlichen Ergebnissen, die im Rahmen der Ausstellung und ihrer Begleitpublikation das erste Mal der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Textilien führen in Museen immer eher ein Schattendasein, im wahrsten Sinne des Wortes, denn Licht ist aus konservatorischen Gründen ihr größter „Feind“. Deshalb werden sie nur selten ausgestellt. Dies trifft auch auf den bis dato verborgen gebliebenen Schatz in Hannover zu, der jedoch mit zu den am frühesten für das Museum erworbenen Stücken zählt und somit auch ein spannendes Kapitel der Sammlungsgeschichte darstellt. Dank ihrer akribischen Rekonstruktion konnte die Archäologin Zusammenhänge mit anderen Spezialsammlungen und über diesen Weg auch mit in ägyptischen Friedhöfen ausgegrabenen Fundkomplexen herstellen.

Erstmalig zeigt die Ausstellung herausragende Beispiele aus dem vielfältigen Bestand der bunt dekorierten Textilfragmente aus dem spätantik-koptischen und frühislamischen Ägypten. Ein unumstrittenes Highlight ist die annähernd komplette Tunika für ein ca. siebenjähriges Kind. Sie ist vor kurzem durch die Abegg-Stiftung in Riggisberg bei Bern, der weltweit bedeutendsten Institution für Textilforschung und -restaurierung, aufwendig untersucht und anschaulich rekonstruiert worden.

Ein umfangreiches Bildungs- und Freizeitangebot finden Sie kurz vor Beginn der Ausstellung auf www.museum-august-kestner.de oder als Flyer im Museum.