Reportagen

Bericht über die TEXTILE ART BERLIN 2018 – 1. Teil

Für mich waren die neuen Räumlichkeiten der TEXTILE ART im Phorms Campus neu, ich konnte bei der Premiere im letzten Jahr nicht dabei sein. Umso mehr konnte ich mich über den schönen alten Backsteinbau aus dem Jahr 1895 freuen. Ursprünglich war hier eine Fabrik der Firma AEG. In der Kantine beispielsweise ist noch die alte rot angestrichene Kranbrücke zu sehen.

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Vor der Kantine besahen sich viele Besucherinnen ganz intensiv die diesjährigen Sampler. „Von sonnig bis mysteriös in Lila und Gelb“ lautete die Farbvorgabe. Wie mir eine der Künstlerinnen sagte, gar nicht ihre Farben. Was dann aber daraus wurde, kann man nur bewundern. Meine Lieblingsstücke sehen Sie hier.

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In der Kantine hatte die Weberin Andrea Milde ihre Arbeiten an hölzernen Gestellen frei im Raum platziert. Die sitzenden Damen waren so gehängt, dass sie mal von vorn, mal von hinten zu sehen waren. Sie traten auf ganz eigentümliche Weise in den Dialog mit der Künstlerin bzw. den Besucherinnen selbst. Die alten Damen scheinen sich interessiert den davor bzw. daneben stehenden Personen zuzuwenden.

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In den Höfen waren bunte Zelte aufgebaut, zum Beispiel das Zelt von Filzrausch. Die bunten Ballen mit Filzwolle fotografiere ich immer wieder gern.

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Petra Ewler zeigte in einem weiteren Zelt neue Arbeiten und veranstaltete dort auch einen Workshop.

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In den drei Hallen im Erdgeschoss gab es Ladenstände und Ausstellungen zu entdecken. Mich zog es zu den ägyptischen Zeltmachern, denn ich wusste, anders als bei anderen Messen waren hier nicht nur die Kunstwerke zu sehen, hier wurde auch vor Ort genäht. Man kann nur staunen, mit welchem Handwerkszeug und welcher Geschwindigkeit einer der Männer komplexe Ornamente applizierte. Ich ließ mir auch erklären, dass es ganz typische Muster gibt, unter anderem komplexe Ornamente sowie Vögel, deren Vorbilder in den Pharaonengräbern zu finden sind.

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Und dann gibt es da eine Darstellung einer in Ägypten wohl bekannten Geschichte: Dschuha und sein Sohn sind mit einem Esel unterwegs, aber wie sie auch reisen, nie können sie es den anderen recht machen: Einmal sitzen beide auf dem Esel (der arme Esel!), einmal sitzt der Sohn allein auf dem Esel (der arme Vater!), dann sitzt Dschuha allein auf dem Esel (der arme Sohn!), einmal keiner von beiden (Wozu habt ihr einen Esel?). Schließlich tragen sie den Esel, um endlich ihre Ruhe zu haben.

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Elisabeth Paul, die ihre Ausstellung direkt neben den Zeltmachern hatte, kam auf mich zu und fragte mich, ob sie mir ihre Arbeiten zeigen dürfe. Gern habe ich mir ihre Kunstwerke, bei denen sie Fotos und Filz kombiniert, genauer angeschaut. Hochwertige Merinowolle und Chiffonseide sind ihre Grundmaterialien. Schauen Sie bei der Arbeit rechts genau hin, ich habe den Christus am Kreuz erst gar nicht gesehen.

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Angela Lenk präsentierte Halsketten und Skulpturen. Sie erklärte mir: „Basierend auf der Spannkraft von Stoffen entstehen durch Drehen organische Formen.“

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Nilgün Aydinli häkelt mit Seidengarn Blumen für ihre dekorativen Halsketten, eine legte sie für mich an.

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Die Strickrauscherinnen von KlugeStrickArt strickten, hatten aber auch interessante neue Wandbehänge und eine sehr schöne Strickjacke mitgebracht.

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Martina Breyer präsentierte Rostdrucke auf verschiedenen textilen Materialien. Den Titel einer der Arbeiten fand ich amüsant: „Erinnerungen an den Keller meines Vaters“.

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Adrian Salome hatte gegenüber von ihrem Stand großformatige Arbeiten gehängt. Sie schafft mit sehr einfachen Mitteln – Filz und Seide – Stimmungen in ihren großformatigen Landschaften.

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Eine Besucherin fragte mich nach „großen Kunstwerken“. Die hat sie bei Veronika Urban gefunden. In einer Installation mit dem Titel „Poems of the Seasons“ zeigte die Künstlerin zahlreiche hauchdünne Gewänder, auf die englische Gedichte gesteckt waren.

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Ebenfalls hauchdünn waren die Arbeiten von Ulrike Stelzig-Schaufert, die für mich aufgrund ihrer Transparenz gar nicht leicht zu fotografieren waren.

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Transparenz und Leichtigkeit sind auch bezeichnend für die Arbeiten von Claudia Lingen. Sie malt auf Seide, die sie wiederholt fixiert.

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Gut behütet bei jedem Wetter: diese Hüte von Barbara Carbonell gefielen vielen Besucherinnen. Usprünglich sind sie als Alternativen zur Perücke bzw. zu Kopfbedeckungen für Patientinnen unter Chemotherapie konzipiert.

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Aus Filz sind die Mäppchen für alle möglichen Stricknadeln, z.B. Rundstricknadeln. Hier geht nichts mehr verloren.
Eine junge Dame mit Bauchladen fiel mir auf. Maria Radewahn fertigt Taschen und Accessoires aus Wollfilz. Sie zeigte und demonstrierte mir Kopfhörer-Kugeln aus Filz.

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Zum Abschluss dieses 1. Teils meines Berichts noch ein Blick auf die zahlreichen Workshops, in denen gewebt, appliziert und genäht wurde.

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Der zweite Teil meines Berichts folgt in wenigen Tagen.