Die Rhein Modern Quilt Guild zeigte auf der Nadelwelt 2026 eine bemerkenswerte Ausstellung mit Quilts über das Thema Gewalt gegen Frauen.
Auf der Website der Rhein Modern Quilt Guild lese ich:
2025 brachte der Quilt ‚Stopp!‘ von Karin Rische die Idee einer eigenen Ausstellung zum Thema Gewalt gegen Frauen ins Rollen. Unser erster Gedanke war: „Wenn wir keinen Platz haben, dann machen wir Platz. Dieser Quilt muss gesehen werden“.
Der zweite Gedanke folgte umgehend: „Können wir nicht gleich eine ganze Ausstellung mit Quilts über das Thema Gewalt gegen Frauen machen?“
Und diesen Gedanken haben wir dann in die Tat umgesetzt. Es war eine intensive Zeit, das Feedback hat uns beeindruckt, die Quilts erst recht: Fast 50 unserer Mitglieder haben einen Quilt genäht.
Die Vorgaben waren minimal: „Nähe einen Quilt in der Größe 30×30 Inch zum Thema Gewalt gegen Frauen und verwende mehr oder weniger viel der Farbe Orange (die Signalfarbe steht für die Aktion “Orange the World“ von UN Woman).“
2026 wird die Ausstellung auf Wanderschaft gehen. Zuerst waren alle Quilts in Karlsruhe auf der Messe Nadelwelt (15.-17. Mai 2026) zu sehen. Fest steht auch schon, dass sie vom 11. Dezember 2026 bis 9. Februar 2027 zwei Monate lang im Rathaus der Gemeinde Nottuln zu Gast sind. Weitere Stationen sind noch in Arbeit.
Ich fragte Nico Laudenberg, eine der Gründerinnen der Rhein Modern Quilt Guild, wie lange es die Rhein MQG schon gibt und wie viele Mitglieder die Gruppe inzwischen hat.
„Die Idee zur Gründung entstand an einem fröhlichen Abend während eines Nähtreffens im Februar 2023.
Der eigentliche Gedanke war, eine kleine Truppe quiltbegeisterter Frauen zusammen zu bringen, wir dachten an einen Club mit vielleicht 20 oder 30 Mitgliedern. So jedenfalls hatte ich persönlich mir das (ganz egoistisch) vorgestellt: Eine kleine Quiltgemeinschaft im Rheinland. Allerdings hat sich das Ganze dann verselbständigt. Nicht zuletzt, weil wir uns der MQG angeschlossen haben. Ich kannte es aus den USA so, dass in jeder Stadt mehrere Gilden friedlich nebeneinander existieren, traditionelle Gilden und lokale Ableger der MQG. Und da es schon eine traditionelle Gilde in Deutschland gab, lag die Idee nahe, als Ergänzung eine solche lokale MQG-Gruppe zu eröffnen, auch, weil die meisten Gründungsmitglieder sich als moderne Quilterinnen verstehen. Im Mai 2024 waren wir dann ein eingetragener Verein und haben offiziell Mitglieder aufgenommen. Mittlerweile sind es deutlich über 400 Mitglieder.“
Ich fragte, welches die nächsten Projekte der Gruppe sind.
„Im Moment befinden wir uns in der heißen Phase vor unserer Ausstellung für die Landesgartenschau in Neuss. Mitglieder waren aufgefordert, Quilts zum Thema Natur, Zukunft, Rhein und Nachhaltigkeit zu nähen, vorgegeben war, dass mindestens ein recycelter Stoff mit einbezogen wird. Die Quilts werden vom 15.-21. Juni ausgestellt, mehr dazu findet sich hier auf der Webseite. Gleichzeitig beginnen wir mit der nächsten großen Nähaktion, dem vierteljährlichen Gemeinschaftsquilt bzw. zwei Quilts: Für die QuiltCon 2024 hatten wir über Instagram aufgerufen, bei einem Gemeinschaftsquilt mitzumachen. Wir hatten eingangs ein bisschen Sorge, dass sich niemand melden würde und waren dann völlig überwältigt, als sich 100 Mitnähende meldeten. Also haben wir damals zwei gleiche Quilts genäht, einer ging nach Amerika und wurde bei der QuiltCon für einen guten Zweck verkauft, den anderen hatten wir auf unserem ersten Stand auf der Nadelwelt und haben ihn dort gegen Spenden für das Karlsruher Frauenhaus verlost. Und so war es seitdem jedes Jaher, immer rund 100 Menschen, die Blöcke für zwei Quilts nähen. Auch darüber gibt es einen Blogpost hier
Nebenher laufen die anderen Angebote weiter, das monatliche Zoom-Nähen, der ebenso monatliche GuilDo, ein Zoom-Treffen, zu dem meist ein Gast kommt, dann die Zoom-Lounge, das ist sozusagen ein jederzeit geöffnete virtuelle Nähstube, in der sich unsere Mitglieder treffen können. Im August findet das dritte Sommercamp statt, diesmal mit Workshops mit Iva Steiner. Im Herbst ein Nähwochenende in Rheine. Und natürlich die lokal organisierten Treffen „in echt“, Nähtage, Show&Tells, gemütliche Nachmittage.“
Abschließend sagte mir Nico Laudenberg: „Vielleicht noch dies: Uns ist es so wichtig, dass sich alle wohl und wertgeschätzt fühlen. Unsere Ausstellungen haben für mich ganz klar den Schwerpunkt, dass Menschen nicht ehrfürchtig vor den Quilts stehen und sagen „Wow, fantastisch, das könnte ich nie“. Ich möchte, dass sie sagen: „Wow, das ist klasse, das möchte ich auch mal probieren. Das ist ein Grund, warum wir in unseren Ausschreibungen meist Mini-Quiltformate vorgeben.“
Wenn Sie auf der Website der Rhein Modern Quilt Guild auf die Quilts klicken finden Sie Statements der Künstlerinnen zu ihren Werken.
Alle Fotos wurden von Peter Uhlemann von Uhlemann Fotografie gemacht.

