Reportagen

Die Stickereien von Akhmim in Ägypten

Akhmim liegt etwa 450 km südlich von Kairo am östlichen Ufer des Nils. Es ist eine der ältesten Städte der Welt. Sie liegt noch immer an ihrem ursprünglichen Standort. Seit mehr als 4000 Jahren ist die Stadt Akhmim für zwei besondere Traditionen bekannt: Weberei und Stickerei. Während der Pharaonenzeit und der koptischen Zeit erlebte die Stadt eine besondere Blütezeit. Die meisten Museen weltweit zeigen „pharaonische und koptische Textilien”, die in diesen Epochen hergestellt wurden. Gewebt wurde aus Seide sowie Wolle, Leinen und Baumwolle, während für Stickereien Silber- und Goldfäden verwendet wurden.

Vor sechzig Jahren ließ sich auf Wunsch der Association of Upper Egypt for Education and Development (AUEED) ein Team der internationalen Frauenbewegung Grail in Akhmim in den Räumlichkeiten einer stillgelegten Schule nieder, ohne einen vorab festgelegten Plan, ermutigt durch den Gründer der AUEED, der dem reichen Erbe dieser Gegend sehr verbunden war.
Das neu geschaffene „Akhmim Community Center” widmete sich Mädchen aus benachteiligten Verhältnissen, die keine Schule besucht hatten. 

Diese Mädchen äußerten den Wunsch, produktiv zu sein. Nichts lag näher, als auf der textilen Tradition dieser historischen Stadt aufzubauen. Aus Stoffen, die aus Weberwerkstätten bezogen wurden, entstanden zunächst Tischdecken mit durchbrochenen Fransen. Einige Frauen wollten diese Stoffe besticken und folgten damit dem Beispiel der Werkstätten, die von sozialen Pionieren in verschiedenen Dörfern betrieben wurden. Die erfolgreiche Teilnahme an einer Handwerksausstellung in Kairo im Jahr 1963 gab ihnen den Mut, die Produktion auszubauen. Seitdem findet regelmäßig eine jährliche Ausstellung mit Produkten des Akhmim Community Center in Kairo statt.

1971 wurden zur Deckung des Eigenbedarfs des Zentrums Webstühle aufgestellt, und die Mitglieder des Zentrums wurden von einem Meisterweber, dessen Schwestern aktive Mitglieder des Zentrums waren, in die Kunst des Webens eingeführt. Diese Initiative sorgte für Unruhe in der lokalen Gesellschaft, die an Traditionen festhielt und die Idee, dass Frauen Weberinnen werden sollten, in einem Beruf, der bis dahin ausschließlich Männern vorbehalten war, nicht gutheißen konnte. Die Spannungen legten sich jedoch sehr schnell. So entwickelten sich die drei Tätigkeitsbereiche: Handweberei, klassische Stickerei und freie künstlerische Stickerei, verbunden mit naiver Kunst.

Die Stickereien zeigen Szenen aus dem täglichen Leben, ländliche Gegenden, in denen Bäume und Palmen dominieren, sowie Kompositionen, die von Landschaften inspiriert sind, die die Stickerinnen bei Wanderungen außerhalb der Stadt Akhmim entdeckt haben, wo Frauen in ihren dunklen Häusern leben müssen. Es wurden große Anstrengungen unternommen, um die Künstlerinnen vor äußeren Einflüssen zu schützen und die Authentizität ihres Ausdrucks zu bewahren.

Im Zentrum arbeiten 150 Mädchen und Frauen als Handweberinnen und/oder Stickerinnen. Eine Gruppe dieser Frauen arbeitet auch in den Nebenbereichen, wie z. B. beim Aufziehen der Kette am Webstuhl, beim Spinnen, Aufwickeln der Webschiffchen, in der Verwaltung, Buchhaltung usw. Das Alter der Mädchern bzw. Frauen variiert zwischen 19 und 75 Jahren. Die Älteren bringen den Jüngeren in der Regel das Know-how sowohl im Handweben als auch im Sticken bei.

Die dargestellten Szenen erinnern mich sehr an den Stil der Webarbeiten aus dem Wissa Wassef Zentrum in Harrania. Einen Bericht über diesses Projekt habe ich vor einem Jahr hier im Textile Art Magazine veröffentlicht. Hier ein Beispiel:

Die Produkte des Akhmim Community Centers kann man unter anderem auf dem Foustat Touristic Market neben der Amr ibn Al-Ass-Moschee in Alt-Kairo kaufen.

Kontaktdaten der Vereinigung von Oberägypten 
65 Obeissy Street, Daher, Kairo Tel.: 25882484 – 25898364
E-Mail:
Facebook: AUEED معية الصعيد
https://www.facebook.com/AkhmimAndHagazaCrafts