Reportagen

Bericht über die Ausstellung von Arbeiten von Na Omi J. Shintani

Ganz überrascht war ich, in einer lokalen Zeitung von einer Ausstellung einer berühmten japanisch-amerikanischen Künstlerin zu lesen. Zwei dekonstruierte Kimonos von Na Omi J. Shintani sind in der Galerie des Restaurants „Goldene Nudel“ in Ober-Ramstadt ausgestellt.

Auf den ersten Blick sehen sie noch wie „normale “ Kimonos aus. Als ich aber näher hingehe und hinsehe, erkenne ich raffinierte Ausschnitte. Da wird der Kranich auf einmal gegenständlich und die Blumen erhalten ebenfalls Tiefe. Die ausgeschnittenen Teile wurden in Schalen gesammelt und sind Teil der Installation.

In der Zeitung las ich:
„Na Omi J. Shintani ist eine multidisziplinäre Künstlerin, Kulturvermittlerin und Aktivistin aus Half Moon Bay, Kalifornien. In ihren Arbeiten verbindet sie zeitgenössische Kunst mit den ästhetischen Traditionen und handwerklichen Praktiken ihrer japanischen Vorfahren. 
Die Familie der Künstlerin emigrierte einst aus Japan nach Kalifornien und arbeitete dort als Austernfischer. Während des Zweiten Weltkriegs war sie – wie über 120.000 japanischstämmige Menschen – von Zwangsumsiedlung und Internierung betroffen.“

Auf ihrer Website schreibt sie:
„In den 1940er Jahren bestand das einzige Verbrechen meiner Familie darin, das Gesicht des Feindes zu haben. Sie wurde zusammen mit 120.000 anderen Menschen japanischer Abstammung vier Jahre lang im Tule Lake Segregation Camp inhaftiert.“

Diese biografische Erfahrung beeinflusst unmittelbar Shintanis künstlerisches Schaffen. Sie setzt Techniken wie Sashiko-Stickerei und die Verarbeitung von Momigami-Papier ein, die zur Auseinandersetzung mit Identität und Wandel einladen. Besonders die Serie „Deconstructed Kimonos“ thematisiert den Verlust kultureller Traditionen und die Kraft der Erneuerung.

Die Ausstellung ist bis Sonntag, 5. Oktober in der Galerie „Goldene Nudel“ in der Nieder-Ramstädter Straße 48 in Ober-Ramstadt zu sehen und hat außer mittwochs und donnerstags ab 17 Uhr geöffnet.