Konnie Keller, Fliegenpilzuniversum, © Deutsches Textilmuseum
Die Deutschen und ihr Wald! Für viele Deutsche bedeutet er mehr als nur Bäume: Er ist Symbol, Lebensraum, Kultur- und Identitätsort. Er steht für Naturverbundenheit, Ruhe und Erholung, aber auch für Schutz, Verantwortung und Gemeinwohl.
In der Ankündigung der Ausstellung im Deutschen Textilmuseum stand zu lesen:
„Der Wald ist weit mehr als eine Pflanzenformation, die aus Bäumen aufgebaut ist. Er ist Ort der Entspannung und des Durchatmens, mystische Bühne für Räubergeschichten und Märchen, Studienort der Wissenschaften, Rohstofflieferant, Schauplatz des Klimawandels und Inspiration für Künstlerinnen und Künstler – auch der Textilkunst.
Das Deutsche Textilmuseum hat Arbeiten aus Deutschland, Polen, der Slowakei, Spanien und der Ukraine in Krefeld versammelt. So vielfältig die Objekte auch sind, drücken sie doch die Faszination vom Wald und die Sorge um unsere Umwelt aus.“
Beteiligte Künstlerinnen waren: Silke Bosbach, Zuzana Branišová Dugovičová, Anne Carnein, Konnie Keller & Kultur und Kunst Leinsweiler e. V., Alexandra Knie, Brunhild Mauss, Ulrike Waltemathe, Julita Wójcik und Diana Yevtukh
sowie Studierende des Fachbereichs 07 der HSNR:
Malena Bolt, Tom Busse, Felix Krämer, Vanessa Helmer, Carina Ortiz, Jule Plähn und Hanna Speck
Bei Betreten des Ausstellungsraums fällt der Blick als erstes auf einen gewaltigen gehäkelten Baum. Den „Crochet Tree“ hat Silke Bosbach aus Waldbröl im Bergischen Land geschaffen, er wiegt nicht weniger als 20 Kilo. Die Künstlerin verbindet textile Techniken mit landschaftsbezogenen Fragestellungen. Sie lässt sich von der Landschaft des Bergischen Landes, aber auch von Küstenregionen inspirieren.
Diana Yevtukh aus Lwiw in der Ukraine verschließt mit farbenfrohen Blumenstickereien Höhlungen in Bäumen. Ich finde den Kontrast zwischen der schrundigen Rinde und den zarten Stickereien sehr spannend. Ihre Arbeiten seien inspiriert von der aktuellen Kriegssituation und dem Bedürfnis, schöne und heilende Dinge zu schaffen – auch für die Natur, lese ich.
Konnie Keller und das Leinsweiler Gemeinschaftsprojekt haben unter Beteiligung von mehr als 100 Frauen und drei Schulklassen 2023/2024 den „Fabelwald“ geschaffen. Zum Einsatz kamen verschiedene Techniken, diverse Garne, Sisal, Füllmaterial, Draht und Pappelholz.
In einem Interview mit dem Textile Art Magazine sagte Konnie Keller 2023: „Mit meinen Objekten möchte ich den Wald würdigen. Der Wald ist die grüne Lunge der Erde. Wir brauchen ihn am dringendsten, um unsere Luft zu reinigen, CO2 zu binden. Ich möchte über die künstlerisch ästhetische Dimension der WALDSTÜCKE auf die Schönheit und Bedrohung unserer Wälder aufmerksam machen.“
Auch diese Arbeit mit dem Titel „Waldwunder“ ist im Rahmen eines Gemeinschafts-Kunstprojekts mit Kultur und Kunst Leinsweiler e.V. mit über 100 Häklerinnen unter der künstlerischen Leitung von Konnie Keller entstanden. Die Arbeit stellt den Pfälzerwald in Schnur und Garn dar. Gehäkelte Pilze, Pflanzen, Bäume, Flechten aus Sisal und den unterschiedlichsten Wollsorten ergeben das „Waldwunder“.
Felix Krämer hat einen Sessel vom Sperrmüll umgestaltet. Mit Holz, Textil, Polstermaterial, Wollgarn, Tuften, Tüll mit Blumenmotiven und mehr als 120 hand-gefertigten Pompons aus Polyester-, Polyacryl- und Wollgarn schuf er einen „Platz für die Natur“. Die getuftete Sitzfläche soll Moos imitieren.
Der Teppich „Polyphon – Eine textile Übersetzung von Vielfalt in 7 Textilteilen“ stammt von Tom Busse aus Mönchengladbach. Die Elemente des Teppichs lassen sich verschieben und anders kombinieren. Damit will er auf die Dynamik des Ökosystems Wald hinweisen.
Alexandra Knie lebt und arbeitet sowohl in Valencia als auch in Köln. Ihre zarten organischen Gebilde haben es mir angetan. Ich zeige hier zwei Elemente einer größeren Installation mit zahlreichen solcher Elemente. Die Künstlerin schreibt auf ihrer englischsprachigen Website: „Meine künstlerische Forschung konzentriert sich auf die Schnittstelle zwischen Kunst, Handwerk und Naturwissenschaften.“
Auch die folgenden Arbeiten von Alexandra Knie ließen mich staunen. Was aussieht wie stark vergrößerte Insekten bzw. Käfer, sind in Wirklichkeit Gebilde aus Fasern.
Noch einmal von der Website der Künstlerin: „Auf den ersten Blick wirken die Körper der Serie „Unknown Creatures“ organisch und lebendig. Bei genauerem Hinsehen erweist sich dieser Eindruck jedoch als trügerisch. Was wie biologische Fasern oder fadenförmiges Muskelgewebe aussieht, ist in Wirklichkeit leblose Materie. Die Arbeiten basieren auf kleinen Stickmustern aus Polyesterfaden, die in Zusammenarbeit mit dem Botaniker Dr. Julius Jeiter unter einem Rasterelektronenmikroskop (REM) bis zu 600-fach vergrößert wurden.“
Besonders schön fand ich die Arbeiten von Ulrike Waltemathe. Sie nennt sie „Botanische Preziosen“. Sie hat in einer Mischtechnik Collagen aus textilen Blütenblättern geschaffen. Ich lese auf dem Schild neben den Arbeiten: „… die hier gezeigten Bilder demonstrieren das nahezu wissenschaftliche Portraitieren von vegetabilen Objekten in starker Vergrößerung.“
Zuletzt noch eine Birke bzw. ein Kunstwerk, das die Rinde einer Birke täuschend echt nachbildet, wobei diese Rinde allerdings aus Jacquardgewebe im toile de Jouy-Design besteht. Noch dazu zeigt das Gewebe eigentlich gar keine Rinde, sondern handgezeichnete Holzfällerszenen, vermeintlich idyllische Szenen, jedoch wird hier der Wald gerodet, ein massiver Eingriff in die Natur.
Die Ausstellung „Sehrsucht Wald“ ist noch bis zum 27. Dezember 2026 zu sehen im
Deutschen Textilmuseum Krefeld
Andreasmarkt 8 • 47809 Krefeld
www.deutschestextilmuseum.de
Öffnungszeiten
Di–So bis 31. März 11–17 Uhr •
1. April bis 31. Oktober 10–18 Uhr •
ab 1. November Di–So 11–17 Uhr
Zu den Ausstellungen der letzten Jahre zählt
„Prestigesache – Bürgerlicher Kleiderluxus des 18. Jahrhunderts. Die 360-Grad-Ausstellung.“
Zur 650-Jahr Feier der Stadt Krefeld präsentierte das Deutschen Textilmuseum Krefeld
die große Jubiläumsausstellung „Prestigesache – Bürgerlicher Kleiderluxus im 18. Jahrhundert“ vom 05.11.2023 bis zum 16.06.2024.
Diese Ausstellung ist weiterhin auf der Website als 360°-Ausstellung zu sehen.
https://public.iv.navvis.com/?site=1786203675160397&vlon=6.28&vlat=0.00&fov=100.0&image=2453060370190546

