Reportagen

Bericht über die Ausstellung Papier = Kunst 11 im KunstLANDing in Aschaffenburg

Im Rahmen der Ausstellung Papier = Kunst 11 zeigen Silvia Brosig, Wolfgang Klee, Franziska Kneidl, Tanja Major, Franz Riedl, Fiene Scharp und Andrea Theurer im KunstLANDing in Aschaffenburg Kunstwerke aus Papier.

Papier gehört wie Textilien zur Faserkunst (Fiber Art). Da es aus pflanzlichen Faserstoffen (wie Zellstoff oder Baumwolle) besteht, dient es in der Kunst häufig als textiles Medium. 

Im KunstLANDing, dem Gebäude der ehemaligen Alten Brauerei präsentiert der gemeinnützige Neue Kunstverein Aschaffenburg e.V. (www.kunstlanding.de) auf 600 Quadratmetern wechselnde Ausstellungen zur zeitgenössischen Kunst.

Das dreistöckige Gebäude aus dem Jahr 1872 hatte eine wechselvolle Geschichte und war zuletzt nach Nutzung als Jugendhaus und zwei Jahren Leerstand völlig heruntergekommen. Weitgehend in Eigenarbeit renovierte der Verein das heute denkmalgeschützte Haus soweit, dass es ab Dezember 1998 für Ausstellungen nutzbar wurde.

In den großen hellen Räumen mit knarrenden Dielen hängen Papierkunstwerke an der Wand, sie stehen oder schweben frei im Raum. Der Zutritt zu einem Raum ist verhängt, da ein Kinderworkshop stattfindet und die Werke von Wolfgang Klee mit ihren eindeutig sexuellen Inhalten nichts für Kinderaugen sind.

Fiene Scharp hat in ihrem Werk rechts ein Schnittmuster dekonstruiert, indem sie mit dem Skapell die feinen Linien ausgeschnitten und neu auf dem Untergrund befestigt hat. Dafür war Feinstarbeit erforderlich! Im Werk links hat sie die weißen Flächen zwischen den Rasterlinien mit dem Skalpell herausgeschnitten, dann hat sie zwei Raster übereinander gelegt und das obere mit einem Stempel mit blauer Farbe betupft.

Mit Wellpappe arbeitet der Künstler Andreas Theurer. Er grundiert die Pappe und betont ihre Struktur durch Akrylfarbe. Ich finde spannend, wie er durch selektives Entfernen der obersten Papierschicht die darunterliegende Wellenstruktur sichtbar macht. Er spielt auch gern mit unterschiedlichen Pespektiven wie bei dem linken Werk, das je nach Betrachtungsweise  geometrisch korrekt oder verzerrt erscheint.

Ganz begeistert war ich von den farbenfrohen Arbeiten von Franziska Kneidel. Sie färbt, besprüht und bemalt ihre zarten Werke, die durch den kleinsten Lufthauch in Bewegung geraten.

Eine weitere Künstlerin hat mich sehr beeindruckt. Ganz nah bin ich an Ihre Arbeiten herangetreten, um zu erfahren, wie sie das gemacht hat. Bei einigen Werken hat sie eingefärbte Papierkreise genommen, in der Mitte gefaltet und dann angeordnet. Bei dieser Arbeit kann man das gut erkennen. Ich dachte spontan an Wirbel in den kurzen Haaren eines Kopfs.

Hier hat sie keine Kreise sondern Quadrate genommen, das kann man in der Detailaufnahme gut erkennen.

Noch einmal Kreise in dem rechten Werk, das wie Wellen anmutet. Im farbenfrohen linken Werk hat sie kleine Quadrate mit zwei Spitzen gefaltet, die sich zum Betrachter hin öffnen. 

Schwierig zu fotografieren sind die Arbeiten von Franz Riedl. Ich hoffe, Sie können auf meinen Aufnahmen erkennen, wie der Künstler das weiße unbehandelte Papier schneidet und knickt. Es geht ihm  bei der Entwicklung seiner Arbeiten um einen Abstraktionsprozess. Seine künstlerischen Mittel sind die Linie und der Schnitt sowie Licht und Schatten.

Tanja Major arbeitet mit handgeschöpften Papieren aus Pilzen. In ihrer innovativen Arbeit erforscht sie die Umwandlung von Pilzen in Papierfasern.  Sie verwendet teilweise alte traditionelle Herstellungsverfahren wie beispielsweise die japanische Washi-Technik. In ihrem kreativen Prozess arbeitet sie mit Pilzen wie Porlingen, Trameten und Blätterpilzen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 11. Juli 2026 zu sehen im
KunstLANDing
Neuer Kunstverein Aschaffenburg e.V.
Landingstraße 16
63739 Aschaffenburg
https://www.kunstlanding.de/