Im Netz habe ich eine isländische Textilkünstlerin gefunden, die wunderbare Stickereien von den kleinen alltäglichen Dingen in der isländischen Natur fertigt. Ich wollte mehr über sie wissen.
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Zunächst einmal möchte ich gern wissen: Wo sind Sie aufgewachsen und wo leben Sie heute?
Ich bin in Kópavogur aufgewachsen, einer Stadt in der Nähe der Hauptstadt Reykjavík. Heute lebe ich in Reykjavík, aber ich habe auch schöne Erinnerungen an mein Leben in kleinen Städten in den Westfjorden und an der Südküste. Die atemberaubende Natur dieser Orte hat einen großen Einfluss auf meine Kunst.
Was ist Ihr Hintergrund im Bereich Textilien?
Als ich ein Kind war, war meine Mutter Textilkunstlehrerin an einer Grundschule, daher war ich schon immer von Textilien umgeben. Ich habe schon sehr früh stricken und nähen gelernt, und die Arbeit mit Textilien war schon immer ein wichtiger Teil meines Lebens. Als ich fast 40 war, wurde ich schwer krank und konnte lange Zeit nicht arbeiten. In dieser Zeit begann ich, auf gefilzter isländischer Wolle zu sticken. Fast sofort wurde das Sticken für mich zu einem wichtigen Ausdrucksmittel. Seitdem habe ich meine Technik und meinen Stil weiterentwickelt.
Was reizt Sie an Textilien als Kunstform?
Wie gesagt, sie sind mir sehr vertraut, und es fühlt sich für mich ganz natürlich an, Textilien als Medium zu nutzen, um meine Gedanken und Gefühle auszudrücken.
Welche Techniken verwenden Sie?
Meistens Handstickerei, aber in letzter Zeit habe ich damit experimentiert, diese mit Maschinenstickerei zu kombinieren.
In welcher Umgebung arbeiten Sie gerne?
Ich kann fast überall arbeiten, aber meistens arbeite ich zu Hause.
Was inspiriert Sie?
Alle meine Werke sind Interpretationen der Natur, wobei ich mich meist auf kleine, alltägliche Dinge konzentriere. Die wunderschöne Natur Islands ist meine größte Inspirationsquelle.
Wie entstehen Ihre Werke? Wie arbeiten Sie? Können Sie den Entstehungsprozess eines Werks von der Idee bis zum fertigen Kunstwerk beschreiben?
Ich versuche, das zu schaffen, was ich vor meinem inneren Auge sehe. Ich suche mir die Farben aus, die ich verwenden möchte, und plane die Größe und das Layout. Dann arbeite ich meist instinktiv. Ich mache nicht viele Skizzen, und wenn, dann nur die allgemeine Form, keine Details.
Wie würden Sie Ihre Arbeit beschreiben?
Meine Werke sind sehr dicht gestickt und reich an feinen Details. Sie interpretieren die Natur, die uns umgibt. Meine letzte Ausstellung trug den Titel „Beauty as Resistance“ (Schönheit als Widerstand), und dieser Ausdruck fasst meine Einstellung zu meiner Kunst gut zusammen.
Weben, Sticken und Filzen haben in Island eine lange Tradition. Können Sie mir mehr darüber erzählen?
Island hat keine alten Gebäude oder großen Kathedralen. Wir haben jedoch andere Dinge, vor allem die isländischen Sagas. Zu den wichtigsten Kunstwerken zählen historische Stickereien, die in Laid-and-Couch-Technik gefertigt wurden. (Hier ein Link zu einer bedeutenden Ausstellung.)
Gibt es in Island eine lebendige Textilkunstszene?
Ja, und die Wertschätzung und das Interesse für Textilkunst wachsen. Ich bin stolzes Mitglied der Icelandic Textile Association, die in der isländischen Kunstszene sehr aktiv ist.

